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Mehr Unfälle durch überhöhte Geschwindigkeit
Bonn/Region - 08.02.2010 - 13:19 - Polizeipräsident Wolfgang Albers stellte am Montag, den 08.02.2010, die Verkehrsunfallstatistik 2009 für den Zuständigkeitsbereich der Polizei Bonn vor.
Mehr Unfälle durch überhöhte Geschwindigkeit
145 Stundenkilometer wo „Tempo 70“ erlaubt ist, 113 Stundenkilometer -mitten in der geschlossenen Ortschaft, 78 Stundenkilometer in der 30-er Zone in der City…und damit mehr als doppelt so schnell wie erlaubt. Das sind die traurigen „Spitzenwerte“, die Beamtinnen und Beamte der Bonner Polizei im vergangenen Jahr bei Geschwindigkeitskontrollen feststellten.
Überhöhte Geschwindigkeit ist weiterhin eine Hauptunfallursache, ganz besonders bei den folgenschweren Verkehrsunfällen.
420 Verkehrsunfälle waren im vergangenen Jahr auf überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit zurückzuführen (2008: 391, Anstieg von 7 Prozent). Bei jedem zweiten, dieser „Geschwindigkeitsunfälle“ waren Verletzte zu beklagen(239)! Im letzten Jahr starben 6 Menschen bei 5 Verkehrsunfällen, für die nach derzeitigem Ermittlungsergebnis nicht angepasste Geschwindigkeit mit ursächlich war.
Bei jedem fünften Verkehrsunfall, in den Junge Erwachsene verwickelt sind, ist überhöhte Geschwindigkeit die Ursache!
„Wer rast, riskiert folgenschwere Verkehrsunfälle. Grund genug für die Bonner Polizei sich in den kommenden Wochen und Monaten im Rahmen der Anti-Raser-Kampagne des Landes Nordrhein-Westfalen: „Komm gut an! Sieger rasen nicht!“ mit zahlreichen Aktionen nachhaltig einzubringen. Auch an den europaweit abgestimmten Sonderkontrollen „TISPOL Speed“ werden wir uns, wie schon in den Vorjahren, wieder intensiv beteiligen. Wer auf den Straßen in und um Bonn rast, muss damit rechnen, von der Polizei ertappt zu werden. Rasern drohen empfindliche Geldbußen bis hin zu Fahrverboten und Punkten auf dem Konto in Flensburg“, erklärte Polizeipräsident Wolfgang Albers.
Neben überhöhter Geschwindigkeit zählen zu den TOP 3 der Hauptunfallursachen weiterhin das fehlerhafte Abbiegen und Wenden (1008 Verkehrsunfälle) sowie die Missachtung von Vorfahrt und Vorrang (548 Verkehrsunfälle).
Zahl der Schwerverletzten nochmals gesunken - Niedrigster Stand seit Beginn der Erfassung
Die Beamtinnen und Beamten der Bonner Polizei wurden 2009 zu insgesamt 15.014 Verkehrsunfällen gerufen. Das sind 394 Verkehrsunfälle mehr als im vergangenen Jahr. Zurückzuführen ist dies insbesondere auf einen deutlichen Anstieg der Bagatellunfälle, also der Unfälle mit geringem Sachschaden. (2008: 9.139, 2009: 9.352)
Das Risiko, in Bonn und der Region in einen Verkehrsunfall verwickelt zu werden, ist damit leicht angestiegen. Es ist jedoch weiterhin geringer als im Landesvergleich: Mit einer Unfallhäufigkeitsziffer (UHZ) von 2.755 (2008: 2.672) liegt das Polizeipräsidium Bonn immer noch weit unter der UHZ des Landes NRW (3.124).
Die Verkehrsunfälle mit Schwerverletzten sind im Jahr 2009 nochmals deutlich zurückgegangen. Bereits im Jahr 2007 registrierte die Bonner Polizei so wenig Verkehrsunfälle mit Schwerverletzten, wie nie zuvor; die Zahl erreichte damit den niedrigsten Stand seit Beginn der Erfassung.
Diese Zahl ging in 2008 und nun auch in 2009 noch weiter zurück. In diesem Jahr wurden bei 255 Verkehrsunfällen Menschen schwer verletzt, 2008 waren es 260.
Leicht angestiegen sind hingegen die Verkehrsunfälle mit Leichtverletzten. Im Jahr 2009 ereigneten sich 1.633 Verkehrsunfälle mit Leichtverletzten, im Jahr 2008 waren es noch 1.564.
Im Jahr 2009 waren bei 14 Verkehrsunfällen Getötete zu beklagen. 15 Menschen starben bei diesen Unfällen, darunter auch ein Kind, das als Mitfahrer in einem PKW verunglückte (2008: 13 Getötete bei 13 Verkehrsunfällen).
„Wir wollen die Zahl der Unfallopfer weiter reduzieren. Die Bekämpfung der Hauptunfallursachen –wie Geschwindigkeit und Fahren unter Alkohol- und Drogeneinfluss- ist daher ein immens wichtiger Bestandteil unserer Verkehrssicherheitsarbeit. Intensiv haben wir uns im letzten Jahr an der landesweiten Kampagne „ER hält alles – der Profi fährt mit Gurt“ beteiligt und dabei mehr als 7.000 „Gurtmuffel“ gestoppt.
Ziel unserer zahlreichen Aktionen war es, das Bewusstsein der Autofahrer dafür zu schärfen, dass der Gurt im Falle einer Kollision der „Lebensretter Nummer 1“ ist und darüber die Anschnallquote zu erhöhen. Solange wir bei unseren regelmäßigen Kontrollen noch Autofahrer feststellen, die nicht angeschnallt sind, werden wir in unseren Anstrengungen nicht ruhen“, so Polizeipräsident Wolfgang Albers.
Kinder im Focus der Verkehrssicherheitsarbeit: Mehr Unfälle auf dem Weg zur Schule und in der Freizeit – Weniger Rad fahrende Kinder verunglückt
Trotz zahlreicher Präventionsprojekte und Verkehrsüberwachungsmaßnahmen ist die Zahl der im Straßenverkehr verunglückten Kinder im Jahr 2009 insgesamt leicht angestiegen, von 190 auf 204. Dabei erlitten 179 Kinder leichte Verletzungen, in 25 Fällen mussten die Verunglückten stationär behandelt werden.
Zunehmend waren dabei Kinder als Fußgänger in Verkehrsunfälle verwickelt, hier stieg die Anzahl von 56 auf 75 stark an. Wie im Vorjahr wurden 54 Kinder als passive Mitfahrer in Fahrzeugen verletzt.
Positiv hingegen die Entwicklung bei den Rad fahrenden Kindern: Hier reduzierte sich die Anzahl der Verunglückten von 81 auf 78.
„Kinder stehen seit jeher im Focus unserer Verkehrssicherheitsarbeit. Die Zahlen zeigen, dass wir hier auch weiter stark gefordert sind. Regelmäßig führten unsere Beamtinnen und Beamten an Schulen und Kindergärten Geschwindigkeitsmessungen durch und prüften bei Schwerpunktkontrollen, ob im Auto mitfahrende Kinder angegurtet waren und der vorgeschriebene Kindersitz genutzt wurde. In enger Zusammenarbeit mit den Eltern, Lehrern, Erziehern und Kommunen machten unsere Verkehrssicherheitsberater im vergangenen Jahr mehr als 27.000 Kinder und Jugendliche für den Straßenverkehr fit“, erläuterte Polizeioberrat Jürgen Marten.
Neben der Verkehrserziehung der Kindergarten- und Grundschulkinder umfasste die Verkehrssicherheitsarbeit auch die Radfahrausbildung und die Mofakurse. Außerdem führten die Präventionsspezialisten mehr als 200 Elternveranstaltungen durch.
Als sinnvolle Ergänzung zur Verkehrserziehung der „Kleinen“ besuchte die Verkehrspuppenbühne der Bonner Polizei im letzten Jahr 90 Kindergärten und Grundschulen. Von diesem Angebot profitierten 6455 Kindergartenkinder und Grundschüler. Eine Großveranstaltung der Puppenbühne im Bonner Polizeipräsidium am 09.12.2010 besuchten mehr als 100 Kinder.
Die überwiegende Anzahl der Kinderunfälle, rund Dreiviertel, ereigneten sich in der Freizeit, mehrheitlich zwischen 15:00 und 19:00 Uhr. 45 der Unfälle ereigneten sich auf dem Schulweg (2008: 36).
„Die überwiegende Anzahl der auf dem Schulweg verunglückten Kinder erlitt leichte Blessuren. Zwei Kinder blieben unverletzt. Sechs Kinder mussten stationär behandelt werden. Wir haben diese Unfälle - 30 ereigneten sich auf dem Weg zur Schule und 16 auf dem Heimweg- analysiert. Dabei stellten wir fest, dass vermehrt Kinder, die sich offensichtlich verspätet auf den Schulweg gemacht hatten, in Unfälle verwickelt waren, dies oftmals auch im Nahbereich von Bus- und Bahnhaltestellen. Unter Zeitdruck ließen die Kinder dann offenbar das erlernte, richtige Verhalten im Straßenverkehr außer Acht“, bilanzierte Polizeioberrat Jürgen Marten, Leiter der Bonner Verkehrsdirektion.
Er appellierte daher an die Eltern:
• Planen Sie den Schul- und Heimweg so, dass Ihr Kind nicht unter Zeitdruck gerät.
• Legen Sie gemeinsam mit ihrem Kind den sichersten Weg zur Schule fest und üben Sie richtiges Verhalten an möglichen Gefahrenpunkten ein.
Mehr Senioren bei Verkehrsunfällen verletzt – Demografischer Wandel in der Bevölkerung fordert Polizei weiterhin in der Verkehrssicherheitsarbeit
Entgegen dem Landestrend stieg der Bevölkerungsanteil der Senioren (=65 Jahre und älter) im vergangenen Jahr im Zuständigkeitsbereich der Bonner Polizei weiter an, auf 19,1 Prozent (Vorjahr: 18,8 %).
Die Altersgruppe der Senioren weist 11,3 % (2008: 10,4 %) der Gesamtverunglücktenzahl auf.
Im vergangenen Jahr verunglückten 255 Senioren im Straßenverkehr (2008: 229), davon 104 hinter dem Steuer und 48 als Fußgänger.
Als Fahrzeugführer verunglückten die Senioren in den meisten Fällen im Nahbereich ihrer Wohnanschrift, in einem Umkreis von zwei bis drei Kilometern. Häufige Unfallursachen sind Fehler beim Einparken / Ausparken bzw. beim Einfahren in den fließenden Verkehr.
„Wir wollen, dass Senioren altersbewusst mit ihrem Kraftfahrzeug oder Fahrrad umgehen und sich auch als Fußgänger sicher im Verkehr bewegen. Tipps und Hilfestellungen hierzu geben unsere Verkehrssicherheitsberater. Rund 150 Senioren erreichten sie mit ihren Veranstaltungen „Mobil bleiben – sicher ankommen“ und mit speziellen Radfahrtrainings. Mit Senioren, die auf einen Rollator angewiesen sind, übten die Präventionsspezialisten, diesen im Straßenverkehr und beim Einstieg in Bus- und Bahn sicher zu handhaben“, so Polizeioberrat Jürgen Marten.
Junge Erwachsene im besonderen Blickfeld
Im besonderen Blickfeld der Bonner Polizei stehen weiterhin die "Jungen Erwachsenen". Überproportional oft verunglücken die 18- bis 24-Jährigen im Straßenverkehr.
Der Bevölkerungsanteil dieser Altersgruppe beträgt etwa 8 Prozent. Ihr Anteil an der Gesamtverunglücktenzahl liegt jedoch fast doppelt so hoch, bei 15,5 %.
Im vergangenen Jahr blieb die Anzahl der verunglückten “Jungen Erwachsenen“ nahezu unverändert. Im Jahr 2009 verunglückten 351, im Jahr 2009 waren es 348.
Radfahrunfälle bewegen sich auf hohem Niveau – Polizei intensiviert Kontrollen in innerstädtischen Bereichen
Im Jahr 2009 blieb die Anzahl der verunglückten Fahrradfahrer mit 625 nahezu auf dem Vorjahresniveau (2008: 630). Dabei wurden 86 Radfahrer schwer verletzt. (2008: 92).
„Wir sind in diesem Bereich sehr aktiv: Die meisten Radfahrunfälle ereignen sich in den innerstädtischen Bereichen. Und genau dort setzen wir mit unsere Kontrollaktivitäten an. Unser Augenmerk richtet sich dabei nicht nur auf die Fahrradfahrer sondern wir ahnden auch das Fehlverhalten von PKW-Fahrern gegenüber den Radlern. Unsere Verkehrssicherheitsberater vermitteln schon den Schulkindern die richtige Handhabung des Fahrrades und die für Radfahrer wichtigen Verkehrsregeln. Sie erreichten im vergangenen Jahr mit ihren Radfahrausbildungen mehr als 4124 Viertklässler“ so Polizeihauptkommissar Gerd Brendel von der Führungsstelle der Direktion Verkehr.
Fußgänger
Nachdem die Anzahl der verunglückten Fußgänger im Jahr 2008 deutlich gesunken war, stieg sie im vergangenen Jahr um rund 24 Prozent von 230 auf 284 an. Dieser Anstieg betraf alle Altersgruppen, er war jedoch in besonderem Maße bei der Altersgruppe der Kinder und der Senioren feststellbar.
Mofa-, Moped- und Motorradfahrer
Die Anzahl der verunglückten Motorradfahrer stieg von 96 auf 108 leicht an.
Erfreulich ist: Im vergangenen Jahr wurden weniger Mofa- und Mopedfahrern bei Verkehrsunfällen verletzt. Die Verunglücktenzahl sank deutlich, von 197 auf 168.
Alkohol und Drogen
Die Anzahl der Verkehrsunfälle, bei denen mindestens einer der Beteiligten unter Drogen- bzw. Alkoholeinwirkung stand hat abgenommen. Die Verkehrsunfälle mit alkoholisierten Fahrzeugführern sanken von 225 auf 217. Die Verkehrsunfälle unter Einfluss von Drogen veränderten sich von 22 auf 21.
Gemessene „Spitzenwerte“ nach Verkehrsunfällen waren 3,16 Promille bei einem 45-jährigen und 3,12 Promille bei einem 33-jährigen Autofahrer. Bei zwei Autofahrerinnen im Alter von 55 und 67 Jahren wurden nach Verkehrsunfällen Blutalkoholkonzentrationen von 3,31 Promille und 2,68 Promille gemessen. Erschreckend dabei: Häufig wurden schon am Mittag oder am frühen Nachmittag erhebliche Promillewerte festgestellt.
Verkehrsunfälle mit Flucht
Die Anzahl der Verkehrsunfallfluchten ist im Vergleich zum Vorjahr angestiegen, von 2.962 auf 3.108. Demnach macht sich bei jedem fünften Verkehrsunfall einer der Unfallbeteiligten „aus dem Staub“, ohne sich um die Unfallfolgen zu kümmern. Ein solches Verhalten ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat mit entsprechenden unangenehmen Folgen!
Auch weiterhin Kontrollen
Polizeipräsident Wolfgang Albers resümierte: „Wir sind nicht unzufrieden mit den Ergebnissen unserer Verkehrsunfallstatistik. Einige Bereiche, in denen wir jetzt schon sehr aktiv sind, fordern uns aber auch weiterhin: Zum Schutz der „schwächsten“ Verkehrsteilnehmer, der Kinder, werden wir in unseren Bestrebungen nicht nachlassen und unsere Verkehrssicherheitsarbeit konsequent fortsetzen. Auch die Sicherheit der Fahrradfahrer steht weiterhin in unserem Focus.
Ein besonders intensives Augenmerk werden wir in den nächsten Monaten auf Geschwindigkeitsverstöße als Hauptursache für schwere Verkehrsunfälle richten, denn auf den Straßen in und um Bonn gilt:
„Komm gut an! Sieger rasen nicht!“
Hinweis:
Die Verkehrsunfallstatistik 2009 samt ausgewählter Diagramme finden Sie auch auf der Homepage der Bonner Polizei unter www.polizei-bonn.de.
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